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Begriffsgeschichte

Die Harmonie (griech. harmonia = (Zusammen)fügung, Silbe ar oder har: indogerman. Herk. = Vereinigung von Entgegengesetztem zu einem Ganzen) bezeichnet:

  • allgemein die Übereinstimmung, Einklang, Eintracht, Ebenmaß;
  • in der Kunst und der Ästhetik siehe Harmonie (Kunst);
    • speziell in der Malerei siehe Harmonie (Malerei);
    • speziell in der Musik einen Teilbereich der Harmonik, speziell verwendet man „Harmonie“ im Sinne von Akkord; als „harmonisch“ werden Akkorde mit Harmonischen bzw. Obertönen des Grundtons empfunden;
  • in der zwischenmenschlichen Kommunikation ein Gleichklang der Gedanken und Gefühle.

Der Begriff "Harmonie" wird in der Regel dort verwendet, wo man neben einer bestimmten Regelmäßigkeit in der Anordnung einzelner Objekte bzw. ihrer Teile noch einen Sinn, eine Wertbezogenheit anzumerken glaubt.

Bei der Herausbildung des Begriffs in der Antike bezog sich "Harmonie" auf Erscheinungen der Symmetrie. Der Harmoniebegriff wurde zunächst von den Pythagoreern in den Mittelpunkt philosophischer Betrachtungen gestellt. Man sah die Harmonie in der schönen Proportion als Einheit von Maß und Wert. Diese These, zunächst mit mathematischen Erkenntnissen und mit der Harmonie der Töne gestützt, wurde ins Mystische extrapoliert.

So wurde behauptet, die Bewegung der Himmelskörper folge bestimmten harmonischen Zahlenverhältnissen und bewirke eine (unhörbare) "Sphärenmusik". Heraklit versuchte, den Begriff „Harmonie“ dialektisch als Einheit der Gegensätze zu fassen: „Das Widerstrebende vereinige sich, aus den entgegengesetzten (Tönen) entstehe die schönste Harmonie, und alles Geschehen erfolge auf dem Wege des Streites.“ Auch Platon stützte sich auf den Harmoniebegriff als Beleg seiner Ideenlehre. So entwickelte er Gedanken von den "Atomen", die aus Dreiecken bestehen, von der Harmonie des Kosmos, der Töne u. a. und übertrug sie auch in die Staatslehre.

Besonders in der antiken theoretischen Medizin wurde an diese naturphilosophische Harmonie angeknüpft. Sie leitete aus dem harmonischen Mischungsverhältnis bestimmter Säfte die Gesundheit und aus dem Fehlen dieses Verhältnisses die Krankheit ab. Die mittelalterliche Lehre von den verschiedenen Temperamenten der Menschen auf Grund eines bestimmten Maßes der Mischung der Grundsäfte des Körpers setzte die antike Tradition fort.

Die Harmonielehre der Antike hat zwei Quellen:

  • 1. Die mathematischen Proportionen der Altpythagoreer und die sich daraus entwickelnde theoretische Musik der Lehre von den harmonischen Maßverhältnissen
  • 2. die dialektische Naturphilosophie, die nach den Vermittlungsgliedern der fundamentalen Gegensätze suchte und Harmonie als Vermittlung alles Gegensätzlichen ansah.

Zahlen, die in einer harmonischen Proportion stehen, müssen die Gleichung (a - b) : (b - c) = a : c erfüllen.

Boethius stellte die einflussreiche Theorie von den drei verschiedenen Arten von "Musik" auf ("Musik": der Inbegriff der Gesamtheit harmonischer Maßverhältnisse):

  • musica mundana : das heißt die kosmischen Maßverhältnisse
  • musica humana : das heißt die Harmonie der Seele, die des Körpers und die zwischen beiden
  • musica instrumentalis : das heißt die harmonischen Maßverhältnisse des instrumentellen Musizierens

Boethius weist der musica mundana die dominierende Rolle zu. Der Mensch hat die Pflicht, diese zu erkennen und selbst ein geregeltes Leben zu führen. Die mittelalterliche Astronomie bemühte sich, mit dem Modell von harmonisch aufeinander abgestimmten Sphärenbewegungen eine Erklärung der Himmelsbewegungen zu geben.

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